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Rohr. Die ersten Schützlinge stoben in die Umkleidekabine. „Maria, ich hab’ meine Turnschuhe vergessen. Ich mach’ barfuß mit, o.k.?“, fragt ein zierliches Mädel. Ein Bub hält seinen Fuß hin: „Der Knoten beim einen Schuh ist mir gelungen, beim anderen schaffe ich’s nicht – hilfst du mir?“ Für Maria Huber beginnt ein ganz normales Kinderturnen in der Grundschule Rohr. Dass sie Ansprechpartnerin in vielen Belangen ist, zählt für die 2. Vorsitzende des TSV Rohr zum Tagesgeschäft. 

Für ihre vielfältige Vereinsarbeit, angefangen von Fußball und Volleyball bis hin zu Bad-Taste-Partys und lebendigen Adventstürchen, wird die 29-Jährige am Samstag in München vom Bayerischen Fußballverband geehrt. Sie ist die Ehrenamts-Preisträgerin im Fußballkreis Landshut. Im GOP-Varieté-Theater finden sich die 24 Kreissieger ein. Sie dürfen im Frühjahr an einem „Dankeschön-Wochenende“ teilnehmen. Zu den Gratulanten zählt unter anderem HSV-Fußball-Legende Horst Hrubesch. 

Nicht Mitglieder, sondern „Freunde“

„Vor einigen Wochen habe ich erfahren, dass ich geehrt werde“, strahlt die sympathische Rohrerin. Ihre Mitstreiterin und „gute Freundin“ Marlene Gruber sowie BLSV-Kreisvorsitzender Erich Schneider aus Rohr haben Maria Huber vorgeschlagen. Gruber hat eineinhalb Seiten an Aktivitäten der 29-Jährigen aufgelistet. „Ich habe schon früh mit der Vereinsarbeit begonnen, da kommt wohl einiges zusammen“, lacht Huber.

Zum TSV stieß sie über Volleyball, mit elf Jahren. „Das war damals das einzige Angebot für Frauen“, erzählt sie. Trotz ihres jugendlichen Alters schob sie schon die Gründung dieser Abteilung mit an. „Da war ich 14.“ Fast parallel baute sie ein Frauenfußball-Team auf. Den ersten Volleyball-Abteilungsleiter gab ein Papa einer Mitspielerin, danach übernahm Huber. „Für mich sind zwei Punkte wesentlich: Ich packe gerne an und wenn Freunde mitziehen, wird es etwas. Dann kannst du auch was bewegen.“ Sie spricht immer von „Freunden“, nie sagt sie „Mitglieder“. „Für mich sind die Fußballerinnen oder Volleyballerinnen Freunde, mit denen ich auch abseits des Sports viel unternehme.“ 

Dieses über den Sport hinaus denken spiegelt sich in den Aktivitäten wieder. „Gerade bereiten wir zwei TSV-Buden beim Rohrer Christkindlmarkt vor.“ Charakteristisch für Huber ist, dass sie bei solchen Unternehmungen eine Brise pfiffiger Ideen hinzufügt. „Wir geben nicht nur eine Bratwurst oder Getränke aus, sondern wir backen gemeinsam Hirtenbrot für die Besucher.“

Leiterin einer Montessori-Schule

Unter ihrer Regie entwickelte sich auch eine Party-Kultur im TSV Rohr. Silvesterfete, Beach- oder Bad-Taste-Party hob sie mit Mitstreiterinnen aus der Taufe, beim Public-Viewing zu Fußball-EM oder -WM schmeißen sie den Barbetrieb. „Das gemeinsame Feiern ist für einen Verein und auch für den ganzen Ort wichtig.“ Schon als 16-Jährige brachte sich Huber im Kinderfasching ein und veranstaltete Schokokusswettessen und andere Spiele.

„Meine Eltern sind sehr engagiert, vermutlich habe ich es von daher“, sagt die Schwester eines älteren Bruders. „Mir fällt es leicht, Dinge anzuschieben.“ Das bezieht sich nicht nur auf Organisatorisches, sondern auch und wesentlich auf eigene Aktionen. Zu den lebendigen Adventstürchen in Rohr führt Huber beim Schattentheater die Regie und macht selbst auf der Bühne mit. „Gute Nacht, Herr Landstreicher“ war im Vorjahr geboten. 

In Wechselwirkung steht ihr Engagement zur ihrem Beruf als Lehrerin. Sie leitet in Sünching eine Grundschule, die nach der Montessori-Pädagogik arbeitet. „Wir können individueller auf die Kinder eingehen.“ Die „Freistunde“ zählt wesentlich zum Konzept. „Da kann sich jeder Schüler dem Thema zuwenden, das ihn gerade interessiert. So lernen die Kinder, weil sie etwas wissen wollen, nicht weil sie es wissen müssen.“ 

Weil Huber auch Sport unterrichtet, nimmt sie Übungen aus der Schule auch in ihre Kinderturnstunde mit oder genauso ins Training der Volleyball-Nachwuchtstruppe, die sich mit Maike Krüger aufgebaut und unter ihren Fittichen hat. Bei der aktuellen Turnstunde hilft mit Nuemi Huber (14) ein Mädel aus dem Volleyball-Team. „Bei über 20 Kindern braucht man Unterstützung. Es würde mich freuen, wenn sie mit einsteigt.“ 

Seit 2011 hat Maria Huber den Übungsleiterschein. Doch vor allem ist sie selbst Sportlerin. „Ich bin schon ehrgeizig. Wenn ich am Platz oder Parkett stehe, will ich gewinnen.“ Mit den Volleyballerinnen läuft es in dieser Saison nicht rund. „Im Vorjahr waren wir Vierter. Heuer stehen wir ganz unten, aber wir haben endlich den ersten Punkt“, lächelt sie. Im Team vollziehe sich ein Umbruch, „es muss sich noch vieles einspielen“.

„Vereine sind wichtig für einen Ort“

Wie im Volleyball steht die 29-Jährige auch im Fußball den Libero. „Im Fußballteam werden es leider weniger Spielerinnen. Was zur Frauen-WM 2011 als Boom ausgerufen wurde, ist bei uns, aber auch anderen in die andere Richtung gegangen.“ Vor fünf Jahren war die Rohrerin mit Mitspielerinnen beim WM-Eröffnungsspiel.

Das zweithöchste Amt im TSV als 2. Vorsitzende bekleidet Huber seit 2014. „Alle im Vorstand setzen auf eine gewisse Verjüngung. Das tragen auch die Älteren voll mit.“ Eine verkrustete Vereinsstruktur kann die blondlockige Dame nicht erkennen. „Bei uns sind viele offen für alles und dankbar, wenn etwas gemacht wird. Ich hatte noch nie das Gefühl, dass einem Steine in den Weg gelegt werden.“

Bei Maria Huber scheint der Tag mehr als 24 Stunden zu haben: Übungsleiterin im Kinderturnen und Nachwuchsvolleyball, am Netz und am Leder selbst im Training und bei Spielen, Vereinssitzungen, Veranstaltungen vorbereiten… „Man muss doch etwas tun. Angebote eines Vereins sind extrem wichtig für einen Ort. Die Menschen kommen zusammen. Und wenn man etwas auf die Beine stellt, geht es nur im Miteinander. Der Preis gebührt allen, die mitarbeiten.“

Ach, fast hätte man vergessen, die Rohrerin macht nebenbei das Montessori-Diplom zur Dozentin im Bereich Sprache. Und doch blickt sie verwundert auf die Frage, ob sie denn auch Freizeit für sich habe. „Ja, natürlich, ich gehe mit Freunden zum Essen, ins Kino, in Konzerte oder auch zum Wandern.“ Ein Energiebündel wird von Horst Hrubesch geehrt.

Bericht der Mittelbayerischen Zeitung, 18.11.2016/Martin Ruprecht